Seid Fair! Wir sind es wert!

Es ist schon viel dazu gesagt worden, aber es beschäftigt mich immer noch:

In letzter Zeit ist wieder vermehrt über Piraterie auf dem E-Book Markt gesprochen worden. Es sind große Portale geschlossen worden, sogar Strafanzeige wurde erstattet; und ich möchte wetten, dass so mancher mit Abmahnungen rechnen muss, was – hoffentlich! – so richtig teuer wird.

Was mir dabei so ungeheuer aufstößt ist die schlichte Tatsache, dass auf allen Kanälen Kommentare von Nutzern dieser Portale auftauchen, die alle dieselbe Botschaft haben:

„Ihr unterhaltet uns! Aber das ist uns nichts wert!“

(Nicht mal soviel wie der schnelle Kaffee für 3,50 € im billigen Pappbecher, den wir morgens mit auf die Hand nehmen.)

Sind wir Autoren nichts wert? Nichts? Aber auch gar nichts?

Ich frage mich: Warum ist das so?

Habt Ihr, verehrte Leser, die Ihr Euch so gerne für umsonst bedient, schon mal drüber nachgedacht, wie so ein Buch entsteht?

Interessiert Euch wirklich nur das Endprodukt, wie es so prachtvoll zwischen zwei hübschen Buchdeckeln daherkommt und leise flüsternd von anderen Welten erzählt? Ist es Euch wirklich egal, wieviel Herzblut in die Seiten geflossen ist?

Denn, bis so ein hübsches Ding auf dem Markt ist, vergeht von der Idee bis zum Buch eine ganze Menge Zeit. Manche von uns sitzen täglich einige Stunden am Computer, manche stehen morgens Stunden früher auf, um noch vor der Arbeit (die wir als Brotjob kennen, weil auch Autoren nicht allein von Luft und Phantasie leben können) ein paar hundert Worte zu schreiben, andere arbeiten am Abend und bis spät in die Nacht an ihrem Buch. Manche tauschen immer wieder Schlaf gegen Kopfzerbrechen ein, um eine Story so gut wie nur irgend möglich zu erzählen, so packend und aufregend, dass unsere Leser zu guter Letzt das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen.

Wenn eine Idee Gestalt annimmt, und wir nicht mehr davon loskommen, dann wissen wir, dass wir uns auf eine lange und aufreibende Reise begeben. Für Euch!

Wir sind Architekten, die aufwendig planen. Und von dreien verwerfen wir zwei Pläne wieder.

Wir sind Baumeister, die sich ein Gerüst zusammenstellen, von dem wir anfangs nur hoffen können, dass es die Geschichte tragen kann. Die den großen Bogen sorgfältig aufbauen, damit uns nicht irgendwo ein fehlender Baustein plötzlich die ganze Geschichte in sich zusammenstürzen lässt. Und wenn wir soweit sicher sind, dass der Bogen trägt, dann mischen wir den Baustoff zusammen. (Schön, manche mischen schon vorher und verändern während des Baus die Zusammensetzung noch ein paar Mal.)

Wir sind Mütter und Väter, die liebevoll Figuren zum Leben erwecken, sie an die Hand nehmen und ihnen das Laufen beibringen (und das Reiten, das Schießen, das Kämpfen, das Streiten, das Lieben…). Wir sind Ärzte, Pfleger und Psychologen, die sich aufopfernd um die Figuren kümmern, damit Ihr sie liebenswert findet, oder hassenswert, je nachdem. Wir errichten Häuser, Schulen, ganze Städte. Wir legen Gärten an, pflanzen ganze Wälder, schaffen Pflanzen und Tiere, bauen neue fantastische Welten.

Für Euch!book-1014197_640

Wir lernen neue Dinge wie Autos reparieren und Geburtshilfe, studieren Physik und den Mikrokosmos, erarbeiten den korrekten Winkel in dem ein Linkshänder ein Messer in die Brust rammt, studieren akribisch Details, schreiben 100 Szenen, und streichen 30 wieder. Wir irren uns, vergessen Kleinigkeiten, entdecken 100 Seiten später, wie wichtig das war – und schreiben Szenen neu.

Wir überarbeiten, korrigieren, ersetzen. Und streiten uns wochenlang mit der Muse, um in den allermeisten Fällen dann doch nachzugeben. Wir trinken zuviel Kaffee am Morgen und zuviel Wein am Abend, vergessen das Essen oder ernähren uns von Schokolade (oder von Döner), finden keinen Schlaf und verbringen die Nächte mit unseren Figuren, wir vernachlässigen Freunde und Familie.

Für Euch!

Wir verbringen Stunden, Tage, Wochen und Monate, nicht selten sogar Jahre (*nickt eindringlich*) mit unserem Werk und unseren Figuren.

Und dazu führen wir endlose Diskussionen, von denen die Welt nichts erfährt:

Mit unseren Figuren, die anders wollen als wir. Mit der Muse, die uns bis zur Erschöpfung treibt. Mit dem Inneren Kritiker, dem kein Satz gut genug ist. Mit Freunden und Kollegen über den Sinn und Unsinn des Schreibens an sich, und manchmal sogar mit Lesern, die sich die Zeit nehmen, uns den Tag zu versüßen mit einem Echo, einem LIKE, einer Rezension…

Zugegeben: Wir sind Verrückte.

Aber wir sind Verrückte, die einen großen Teil ihrer Zeit, ihres Herzens und ihrer Phantasie Euch zu Füßen legen…

Und nichts freut uns mehr, als wenn Ihr, unsere Leser, uns zeigt, dass es das alles wirklich wert ist, indem Ihr uns eine Notiz/ein LIKE / eine Rezension hinterlasst, ob es Euch gefallen hat.

Und indem Ihr unsere Bücher kauft – und nicht stehlt.

Seid einfach fair – kauft die Bücher, die Ihr lesen wollt !

Ihr zeigt uns damit, dass wir es Euch WERT sind… – und dass Ihr Wert drauf legt, dass wir weiterhin für Euch schreiben…

Ich zähle auf Euch!

P.S.: Jaja, blabla… Ich höre schon die Zweifler. 🙂 Und es stimmt: Ich habe bislang selbst „nur“ Fanfiction veröffentlicht. Und hatte dabei das große Glück, dass immerhin etwa jeder 100. Leser mir eine Review hinterlassen hat. Jede dieser Reviews hat mir meinen Tag gerettet und mich überhaupt erst dazu motiviert, weiter zu schreiben.

Im Moment arbeite ich an meinem ersten Buch. Ein Fantasyabenteuer. Und hoffe, noch in diesem Jahr fertig zu werden.

Dann hätte ich 3 Jahre dran gearbeitet. Neben meinem Brotjob: Hunderte Stunden, die ich nicht mit Freunden zusammengesessen habe, nicht mit Kids gespielt, die ich nicht im Kino war oder auf Party oder im Biergarten, früher aufgestanden bin, nicht geschlafen habe und nicht die (gekauften) Bücher von tollen Kollegen verschlungen habe…

Und ich hab’s gerne getan – nicht immer, aber meistens.

Für Euch!

Danke für’s Lesen und mal drüber nachdenken… 🙂

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11 Kommentare to “Seid Fair! Wir sind es wert!”

  1. Hat dies auf SPPerlen rebloggt und kommentierte:
    Bitte liebe Leser,
    Schreiben ist harte Arbeit. Nicht wenige Schriftsteller hauen sich ganze Nächte um die Ohren, stecken hunderte von Stunden in das Schreiben (und Überarbeiten!) von guten Geschichten, um euch das beste Ergebnis zu bieten, zu dem wir fähig sind. Und was ist euer Dank? Ihr beklaut uns, weil euch all diese Arbeit nichts wert ist?
    Ich mache euch einen Vorschlag: Lest diesen Beitrag und schlaft einfach mal eine Nacht darüber, ob ihr weiter E-Books klauen wollt. (Ich weiß, dass es – zum Glück – bei Weitem nicht alle Leser betrifft, aber ich hoffe doch sehr dass sich endlich Mal die richtigen Leute angesprochen fühlen).
    Entschuldigt meine Ausdrucksweise, aber E-Book-Piraterie ist echt ein Thema, das mir echt an die Nieren geht.

    LG, Florian (Tinte & Schwert)

  2. Hat dies auf Marmor und Ton – Autoren schreiben mit MUT rebloggt und kommentierte:
    Wichtige und richtige Gedanken von ChickinWhite über den Wert eines Buches. Well said, sista!

  3. Ohh, you’re more than welcome, sista!
    🙂
    Es musste einfach mal raus. Ich denke, so mancher ist sich einfach gar nicht bewusst, was er/sie uns antut, wenn sie einfach Raubkopieren.
    Und vielleicht denkt ja wirklich dieser ode rjener mal drüber nach…
    Schon Erfahrung mit Piraten??

    • Mehr Erfahrung als mir lieb ist 😛
      Ich versuche auch immer, Bewusstsein zu schaffen, dass man eben nicht einfach das Papier kauft, auf dem das Buch gedruckt wurde, sondern hauptsächlich die Arbeit, die dahinter steckt, und du hast hervorragend beschrieben, was das für Arbeit ist. Sie ist schön und erfüllend und interessant, aber eben auch Arbeit. Und Arbeit gehört honoriert und nicht gratis konsumiert, es sei denn, der Autor erlaubt das ausdrücklich.

  4. Das ist gut gesagt und ich empfinde es genauso. Die Worte über die Arbeit, was so ein Werk macht, kann kaum jemand nachvollziehen, der es nicht selbst versucht hat. Mein erstes Buch hat glatte 13 Jahre gedauert und dann kam auch noch die Suche nach einem Verlag dazu. Und richtig fertig ist es immer noch nicht, man ist nie zufrieden.

    • Ich sitze auch noch ne ganze Weile an meinem Erstling… 3 Jahre war mein Maximum Ziel. Und ich fürchte, ich halte das nicht ganz ein..
      Zufrieden? Was ist das? Sowas neumodisches erlaubt mir mein innerer Kritiker gar nicht (und dafür muss er regelmäßig in die Verbannung. 🙂
      Ich drück dir die Daumen! Hast du einen Verlag gefunden?
      (Ich will im Herbst die Suche nach einem Agenten starten…)

  5. Wirklich ein sehr schöner und treffender Beitrag, allerdings sollte man vielleicht auch die Leser miteinbeziehen, die das Schreiben würdigen und wertschaetzen, denn davon gibt es immer noch so einige.
    Nicht alle sind der „Geiz ist Geil-Mentalitaet“ verfallen, Gott sei Dank kenne ich zum Glück (fast) nur Menschen, die Bücher wertschaetzen und auch die Arbeit, die dahinter steckt.
    Viele Gruesse, Melli

    • Da hast du natürlich (GottseiDank) Recht! Deshalb habe ich auch versucht, deutlich zu machen, an wen sich dieser Apell richtet.
      Die Piraten sind eine Minderheit. Und wer welche kennt, sollte ihnen auch unmissverständlich klar machen, dass sie anderen das Leben schwer machen…
      Aber ein 3fach HOCH! auf all die wunderbaren Bücherfreunde, die uns Autoren den Respekt und die Anerkennung zukommen lassen, die wir, wie ich glaube, auch verdienen.
      IHR SEID KLASSE!!
      🙂

  6. Hat dies auf Ryek Darkeners Blog rebloggt und kommentierte:
    Sehr gut auf den Punkt gebracht.

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